Hausbesuch in der ICE-Werkstatt der Deutschen Bahn

Foto: Julio Klappich

Alle 6.000 Kilometer zur Wartung

Ruhig liegen zwei ICE-Züge in der Halle in Griesheim auf den Gleisen „aufgebockt“. Nachdem sie innerhalb von wenigen Tagen eine Strecke von rund 6000 Kilometern zurückgelegt haben, erhalten sie hier ihre routinemäßige Wartung. Während des Hausbesuchs des FPC bekommen seine Mitglieder beeindruckende Einblicke in die Pflege der Hochgeschwindigkeitszüge. Werkstattleiter Stefan Volley erläutert, dass dazu die Begutachtung von unten und von oben, Sicherheitsüberprüfung des Fahrgestells, Reinigung und kleinere Reparaturen (u. a. auch kundenrelevante Komponenten wie Küche, WCs sowie Zustiegstüren und WLAN) gehören. Im Griesheimer Werk werden rund 50 von den insgesamt 250 ICEs der Bahn gewartet. Hochbetrieb ist allerdings nachts, wenn die Züge fahrplanmäßig ohnehin ihre Ruhepause haben. Durch ein dichtes abgestuftes Wartungsprogramm gewährt die Bahn, die Sicherheit und Zuverlässigkeit des ICE-Betriebes. Eine umfassende Inspektion, bei der der Zug weitgehend in seine Bestandteile zerlegt wird, findet ungefähr alle sechs Jahre statt.

Der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Hessen, Klaus Vornhusen, beschreibt die Bedeutung des Standorts Frankfurt mit einigen Zahlen: mit rund 15.000 Beschäftigten im Rhein-Main-Gebiet zählt die Bahn zu den größten Arbeitgebern in der Region, 50 Prozent aller bundesweit verkehrenden Fernverkehrszüge durchqueren unsere Region. Das Schienennetz in Hessen ist mit 2.500 km im Vergleich mit anderen Flächenländern zwar gar nicht so groß, aber durch die zentrale Lage Hessens sehr hoch ausgelastet. Und die für die ganze Republik zuständige „Netzleitzentrale“ ist natürlich auch in Frankfurt angesiedelt. Als ein für die Frankfurter wichtiges Projekt erwähnt er die denkmalgerechte Sanierung des Hauptbahnhof-Nordflügels und den Ausbau der B-Ebene. In dieses Vorhaben, das im Jahr 2019 beginnen wird, will die Bahn 135 Millionen Euro investieren. Große Ziele hat sich die Bahn für das Jahr 2030 gesteckt: die großen Strecken in Deutschland sollen bis dahin im Halb-Stunden-Takt bedient, zudem praktisch alle Mittelstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern im Zwei-Stunden-Takt angefahren werden. Auch beim Thema Pünktlichkeit erläutert Vornhusen anspruchsvolle Ziele: das Verbesserungsziel 2016 – 80 Prozent aller Fernverkehrszüge sind pünktlich – wurde nur knapp verfehlt; für 2017 hat die Bahn sich noch mehr vorgenommen. Eine eigene Einheit am Frankfurter Hauptbahnhof (die „Knotenkoordinatoren“) untersucht bei jedem einzelnen Zug die Verspätungsgründe systematisch und erarbeite Lösungsvorschläge. Das reiche vom frühzeitigen Türenschließen bis zur elektronischen Überwachung des Verschleißes bei den Weichen, um diese rechtzeitig auszuwechseln. Ein Nachmittag mit dichten Informationen und voller beeindruckender Einblicke in den Bahnalltag.

 

Text: mü

Fotos: Rainer Rüffer / Julio Klappich