Rückblick Clubabend Wetterjournalismus

Zu Gast:

Katja Horneffer
Diplom-Meteorologin und Redakteurin in der Wetterredaktion des ZDF
Foto © ZDF/Kerstin Bänsch

Thomas Ranft
Wetterredaktion Hessischer Rundfunk
Foto © HR


Moderation

Michaela Schmehl
ZDF-Redakteurin und Autorin

Wenn es auf dem Handy regnet

Zwei prominente Fernsehgesichter beim Clubabend zum Thema Wetterjournalismus im Frankfurter PresseClub: ZDF-Wettermoderatorin Katja Horneffer und Thomas Ranft vom hr-Fernsehen. Beide schilderten kompetent und mitreißend, wie sie sich täglich für eine verlässliche Wettervorhersage ins Zeug legen und warum es schier unmöglich ist, eine 14-Tage-Prognose zu erstellen.

Katja Horneffer hatte zur Illustration Satellitenbilder und Wettergrafiken mitgebracht, zwei Grundzutaten für die Wetterberichte im ZDF-Mittagsmagazin sowie für „heute“ und das „heute-journal“. Als promovierte Diplom-Meteorologin erstellt sie ihre Wettervorhersage selbst und entscheidet dabei auch, welche Rohdaten einfließen sollen und welchem Rechenmodell sie vertrauen will. Im ZDF kann sie neben den frei zugänglichen Daten auch auf exklusive und kostenpflichtige Quellen zugreifen. Nur so ist es möglich in der Championsleague der Wetterberichte mitzumischen: „Ich bin eine Synoptikerin, ich füge die Modelle zusammen. Das ist die Kunst der Meteorologie.“ Jede Wettervorhersage trägt ihre persönliche Handschrift. Und immer prüft sie am nächsten Tag kritisch: „Lag ich richtig?“

Anders arbeitet Thomas Ranft, der unter anderem die Sendung „Alle Wetter“ im Vorabend-Programm des hr-Fernsehens moderiert. Er stützt sich auf die Prognosen aus der hr- Wetterredaktion. Dort erstellt ein Team von Meteorologen Vorhersagen für alle hr-Angebote und die Tageschau im Ersten. Aus diesen Prognosen machen Thomas Ranft und seine Kollegen eine unterhaltsame und lehrreiche Wettershow, mit Experten-Interviews, Biowetter und der Frotteepuppe Fridolin Frosch: „Eine 15-Minuten-Sendung zum Wetter, das ist einzigartig in Europa“, sagt Thomas Ranft. Längst hat er sich in das Thema Wetter reingefuchst, kann aus dem Stand Wetterphänomene präzise und anschaulich erklären. Beim FPC-Clubabend springt er auf, um mit vollem Körpereinsatz zu demonstrieren, wie eine Gewitterwolke aus einer kleinen Pfütze entstehen kann: Das Wetter als chaotisches System, noch immer weitgehend unkalkulierbar.

 

 

Ist denn wirklich kein Fortschritt bei längerfristigen Wettervorhersagen absehbar – beispielsweise durch noch leistungsfähigere Rechner? Wie können Menschen per Wolkenbeschuss das Wetter beeinflussen? Und: Gelingt das vielleicht auch mit Regentänzen? Die Besucher des Clubabends hatten jede Menge Fragen an die beiden Experten, Moderatorin Michaela Schmehl vom FPC-Vorstand stellte sehr schnell einen munteren Dialog her. Da ging es um die Abwendung von Hagelschlag in der Südpfalz, die hohen Kosten der Vorhersagen für den Frankfurter Flughafen oder „Now-Castings“ für Autorennen. Und es ging um Wetter-Apps, die auf jedem Smartphone zu finden sind: Sind diese Apps eine Bedrohung oder Ergänzung für die klassische Vorhersage im Fernsehen? Katja Horneffer und Thomas Ranft zeigten sich sehr selbstbewusst: Die Apps könnten die Vorhersagen im besten Fall ergänzen, allerdings seien die Datenbasis bei vielen Anbietern eher überschaubar und die Informationen zu Temperatur und Regenwahrscheinlichkeit nur bedingt aussagekräftig. Thomas Ranft sagte: „Wer fühlt denn wirklich, ob es 23 oder 24 Grad sind? Es geht darum, ob es warm ist. Die Apps liefern nur Zahlen und Daten. Ob es besser wird, das sagt die App nicht.“

 

Text: Anke Knafla

Fotos Rainer Rüffer