Rückblick - Twittern und Posten für das Evangelium

Zu Gast:

Volker Jung
Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
Foto:EKHN


Moderation

Gerhard Kneier
Vize-Präsident des Frankfurter PresseClubs und Freier Journalist, u. a. für die FNP und die Stuttgarter Zeitung.

Ein Clubabend mit Kirchenpräsident Volker Jung

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, erweist sich beim Clubabend im Frankfurter Presseclub als nicht nur kirchenpolitisch fortschrittlich, wie er es etwa als Mitverfasser des familienpolitischen Papiers der EKD und Befürworter von Segnungen auch homosexueller Paare schon getan hat. Engagiert plädiert der "Medienbischof" der Evagelischen Kirche in Deutschland auch für die Nutzung neuer Kommunikationsformen im kirchlichen Bereich. Nicht nur, dass Jung inzwischen selbst einen Facebook-Account hat und zum Beispiel etwas über die offizielle Einweihung der Evangelischen Akademie am Frankfurter Römerberg gepostet hat. Wobei der Kirchenmann einräumt, dass er zum verschwitzten Foto nach der Teilnahme am Berliner Halbmarathon viel mehr "Likes" bekommen hat.

Jung kann sich auch eine viel stärkere Einbeziehung neuer Medien in den Gottesdienst vorstellen. In einigen hessischen Gemeinden gibt es schon Versuche mit der Nutzung des Handys etwa für Fragen an den Prediger, die dieser dann noch von der Kanzel aus beantwortet. Jung denkt aber noch weiter in die Zukunft, um vor allem junge Menschen zu erreichen, die sich vom traditionellenm Gottedienst allein nicht mehr angesprochen fühlen. So erzählt er von der Idee, die bei einem Workshop mit internationalen Partnergemeinden der evangelischen Kirche entstanden ist: Warum denn nicht mit Hilfe des Smartphones einen gemeinsamen Gottesdienst mit deutschen und ausländioschen Gemeinden feiern? Da könnten etwa die Predigt aus Indien, die Lieder aus Afrika und die Fürbitten aus Deutschland kommen.

Doch Jung geht das Thema keineswegs unkritisch an. Er weiß um die Grenzen, will niemanden überfordern. Von dem Segensroboter auf der Weltausstellung der Reformation in Wittenberg berichtet er, betont aber nachdrücklich: Niemand will Pfarrer durch Maschinen ersetzen. Und eine Anregung internetaffiner Berater, Google doch zum zeitigen Aufspüren von Menschen zu nutzen, die aus der Kirche austreten wollen, hat er entschieden zurückgewiesen. Auch die Gefahren neuer Technologien sind dem Kirchenpräsidenten sehr wohl bewusst.

Die Teilnehmer des Clubabends, darunter auch viele Gäste aus dem Bereich kirchennaher Medien, erlebten einen schlagfertigen und überzeugend argumentierenden Theologen, der in der Verantwortung steht und über den Tag hinaus denkt.

 

Text: Gerhard Kneier

Fotos: Rainer Rüffer