Rückblick Clubabend SPEZIAL Souad Mekhennet

Zu Gast:

Souad Mekhennet
Reporterin der Washington Post
Foto © Benni Kilb


Moderation

Michael Hanfeld
Online-Ressortleitung Frankfurter Allgemeine Zeitung

Sie wollte verstehen, sie hat Antworten gesucht. Durch und durch journalistische Motive haben die 1978 in Frankfurt geborene Souad Mekhennet angetrieben, die schwierigen Recherchen zu unternehmen, von denen sie auf dem Abend im FPC berichtet hat. Sie wollte verstehen, warum es diesen Hass der Dschihadisten auf die westliche Welt und auf alle Andersdenkenden gibt. Sie wollte mit ihnen reden und sie hat mit ihnen und Ihren Anführern geredet. Geholfen hat ihr dabei, dass sie als Deutsche mit marokkanischen und türkischen Wurzeln mehrere arabische Dialekte gut versteht und nicht auf Übersetzer angewiesen ist. Aber Mut und diplomatisches Geschick und korrekte Berichterstattung waren notwendig, um immer wieder Gesprächspartner zu finden und nicht abgestempelt zu werden. Die vielen Interviews hatten für sie ein gemeinsames Ergebnis: Die Dschihadisten fühlen sich immer als Opfer, die sich verteidigen, nie als Täter. Und wer sich nicht dem IS unterwirft, der ist ein Feind, der bekämpft werden muss, selbst wenn er auch Moslem und sogar auch Sunnit ist. Nach den Worten von Mekhennet hat nicht der Islam diese Menschen radikalisiert, sondern sie haben den Islam radikalisiert. Dies sei im Übrigen zu Zeiten der Kreuzzüge auch dem Christentum widerfahren. Souad Mekhennet verwahrte sich gegen die immer wieder vorgetragenen Forderungen, die Muslime müssten gegen die Terroristen aufstehen. Damit gebe man den Dschihadisten nur recht, dass ihr Tun etwas mit Religion zu tun habe. Es handele sich aber um Terror, gegen den die gesamte Gesellschaft aufstehen müsse.

Von Moderator Michael Hanfeld, Medienkritiker der FAZ, auf ihre eigene Laufbahn als Journalistin angesprochen meinte sie, diese sei zumindest am Anfang nicht einfach gewesen. Sie habe aufgrund ihrer Wurzeln mit erheblichen Vorurteilen kämpfen müssen, ehe sie als gefragte Reporterin für viele große und internationale Medien berichten konnte. Auch sei Berichterstattung, die nicht dem jeweiligen Mainstream entspreche, nicht immer gefragt gewesen. So berichtete sie aus Wien für die Washington Post, dass es sich bei den Flüchtlingen mitnichten nur um Syrer handele, sondern auch um viele Menschen aus Marokko, Algerien oder Afghanistan, die sie aufgrund ihrer Sprachkenntnisse identifizieren konnte. Als Reaktion kam eine Mail mit der Bemerkung: „Seit wann zählen Sie denn auch zu den Rechtsradikalen?“ Gegen Ende der Veranstaltung teilte der Terrorismus-Experte des ZDF Elmar Theveßen unter Applaus mit, er habe gerade die Nachricht erhalten, dass Souad Mekhennet mit dem Daniel Pearl Award für das Jahr 2017 ausgezeichnet wurde. Die Gäste der Veranstaltung drückten ihren Dank an die große Journalistin Souad Mekhennet und ihre Begeisterung über den beeindruckenden Abend mit nahezu nicht enden wollendem Beifall aus.

 

Text: mü.

Fotos: Rainer Rüffer