Clubabend - Offenbach kauft Frankfurt

Zu Gast:

Thomas Lindner
(Vorsitzender der Geschäftsführung der F.A.Z.)

Daniel Schöningh
(Geschäftsführer Münchener Zeitungs-Verlag)

Moderation

Uwe Vorkötter
(Chefredakteur Horizont)

Fotos Rainer Rüffer © FPC


Mit freundlicher Unterstützung durch die

Die Zukunft der Zeitungen liegt im Digitalen

Clubabend zum Verkauf von FR und FNP

Die Frankfurter Rundschau und die Frankfurter Neue Presse werden auch unter dem neuen Eigentümer, der Ippen-Gruppe, als eigenständige Titel erhalten bleiben. Das hat Geschäftsführer Daniel Schöningh auf dem Clubabend im Panoramasaal der Evangelischen Akademie vor über 150 Zuhörern versichert. Jede Zeitung habe ihren eigenen Charakter und ihr eigenes Publikum. Daher sei es eine Illusion, man könne Zeitungen und ihre jeweiligen Abonnenten zusammenlegen. Solche Projekte scheiterten in aller Regel daran, dass dann die Abonnenten zum erheblichen Teil absprängen. Ob und wie es an einzelnen Punkten Zusammenarbeit zwischen den Redaktionen geben könne, das werde sich zeigen. Aufgrund der Individualität der Zeitungen erteilte Schöningh auch Spekulationen eine deutliche Absage, sein Verlag könnte in einer Zentralredaktion einen einheitlichen Mantel für verschiedene Regional-Zeitungen herstellen lassen.

Moderator Uwe Vorkötter, Chefredakteur von Horizont, hatte die Frage aufgeworfen, ob bei einer Gesamtauflage von FAZ, FR und FNP in Frankfurt in Höhe von 37.000 Exemplaren überhaupt drei Zeitungen mit einem jeweiligen Lokalteil wirtschaftlich herzustellen seien. Schöningh erläuterte, man müsse bei solchen Überlegungen, das gesamte Rhein-Main-Gebiet betrachten und dieser große Markt gebe schon eine Basis für die drei Zeitungen her.

Die langfristige Zukunft der Zeitung sahen sowohl Schöningh als auch Thomas Lindner, der Vorsitzende der Geschäftsführung der FAZ im Digitalen. Wegen der hohen Produktions- und vor allem Vertriebskosten sei eine Steigerung des Umsatzes der elektronischen Ausgabe schon jetzt erstrebenswert. Lindner kündigte als neue Projekte des Verlages an: eine digitale Ausgabe von „Die Woche“ sowie ein neues ebenfalls elektronisches Produkt zum Themenspektrum Technik und Digitales. Schöningh verwies auf Skandinavien, wo die Verlage inzwischen 30 bis 50 Prozent des Umsatzes auf dem Online-Markt machten. Doch trotz beständig sinkender Auflagen, legten beide Verleger ein klares Bekenntnis zum Erhalt der gedruckten Zeitung ab, solange dies wirtschaftlich darstellbar sei. Schöningh zitierte das ablehnende Votum der Leser auf eine Umfrage der Neuen Züricher Zeitung, ob sie auf die Papierausgabe verzichten würden, wenn sie ein Tablet vom Verlag bekämen und darauf die elektronische Ausgabe lesen könnten. Auch Lindner rechnete damit, dass die FAZ bestimmt noch zehn bis fünfzehn Jahre gedruckt werde.

Bei dem Verkauf der beiden Zeitungen durch die FAZIT-Stiftung und den Umzug der FAZ in ein neues Bürogebäude handele es sich nicht um Sanierungszwänge, sondern um strategische und baulich bedingte Entscheidungen, erläuterte Lindner. Der Verlag habe sich die Frage gestellt, wie die Zeitungen gut in die Zukunft zu führen seien und sich dann auf die Suche nach einem Partner begeben. Es könnten nur diejenigen erfolgreich sein, die in ihrem Segment eine hervorragende Arbeit leisten. Der Umzug sei notwendig geworden, da das vorhandene Gebäude in der Frankenallee einen viel zu hohen Energieverbrauch habe und auch in der Raumaufteilung und hinsichtlich der Bebauung des Grundstücks unzweckmäßig und unwirtschaftlich sei. Für Mitglieder und Gäste des FPC war das ein Abend mit wichtigen Einblicken in das Frankfurter Zeitungsgeschehen in den kommenden Jahren.

 

Text: mü

Fotos: Rainer Rüffer © FPC