Rückblick Clubabend - Harry Keaton im Gespräch

Zu Gast:

Harry Keaton
Magier, Moderator, Autor und Redner
Foto: Bahman Börger, Startseitenfoto: Winfried Eberhardt


Moderation

Werner D´Inka
Präsident des FPC
Mitherausgeber der FAZ
Foto: Rainer Rüffer

Aus Zeitungsschnipseln werden Hundert-Euro-Scheine

Zeitungsschnipsel verwandelt der Journalist und Zauberer Harry Keaton vor den Augen des staunenden Publikums in Hundert-Euro-Scheine. Moderator Werner D´Inka findet dies ein überzeugendes Geschäftsmodell gegen die Pressekrise und unterbreitet dem Gast gleich ein Anstellungsangebot. Doch Keaton möchte nicht gerne auf einen Trick reduziert werden, sondern zeigt eine kleine Palette seines Könnens und verbindet dies mit Reflexionen über die Parallelen zwischen Magie und Politik. Er hat sichtbar Freude an der Verblüffung der Zuschauer. Allerdings gibt er das Geheimnis nicht preis, wie das Zwei-Euro-Stück sich plötzlich in der leeren Wasserflasche wiederfindet, obwohl es ganz sicher nicht durch den Flaschenhals passt.

Genau wie in der Politik komme es vor allem darauf an, die Aufmerksamkeit des Publikums zu steuern. Die kleinen aber entscheidenden Tricks würden genau in dem Moment vorgenommen, in dem die Konzentration der Zuschauer nachlasse oder auf etwas anderes gerichtet sei. Umgekehrt könnte auch für kleinere Aktionen große Aufmerksamkeit erzielt werden, wenn dies im richtigen Moment geschehe. So habe Bundeskanzlerin Angela Merkel schnell das Heft des Handelns in die Hand bekommen, als sie der SPD zum Thema Homoehe den Wind aus den Segeln nahm. Sie rückte seinerzeit von dem klaren Nein ihrer Partei ab, nachdem die SPD dies zu einem zentralen Thema für eine künftige Koalition gemacht hatte. Trump wollte Keaton nicht in die Nähe der Zauberei bringen. In der Magie werde manchmal - wie eben in der Politik auch - die Wahrheit ein bisschen verändert, ohne dass es groß auffalle. Aber das Regelwerk sei klar definiert. Platte Lügen hingegen seien etwas ganz anderes und diese hätten auch keinen Zauber. Schließlich gäbe es noch die Gemeinsamkeit von Politik und Zauberei, dass beide oft mit der Illusion arbeiteten, das Publikum könne entscheidend mitbestimmen.

Die Gäste des Abends konnten verschiedentlich Zahlen und Begriffe nennen, mit denen er verblüffende Ergebnisse hervorbrachte. Als Beispiel aus der Politik führte er das griechische Referendum im Jahr 2015 über die von der EU geforderten Reformen an. Die Griechen hätten das abgelehnt, aber wenig später viel härtere Maßnahmen der eigenen Regierung hingenommen. Zum Abschluss des Abends gab der Magier eine Kostprobe seiner Sprachakrobatik. Er hielt eine Rede, in der nach und nach einzelne Buchstaben ausgelassen wurden, bis sehr schnell für den Zuhörer nichts mehr zu verstehen war. Ein wirklich magischer Abend mit Politik, Journalismus und Zauberei.

Text: mü.

Fotos: Rainer Rüffer