Rückblick Clubabend - 20 Jahre Afrika

Zu Gast:

Johannes Dieterich
Afrikakorrespondent der Frankfurter Rundschau


Moderation

Andreas Schwarzkopf
Leiter des Ressorts Meinung der Frankfurter Rundschau

FR-Korrespondent Johannes Dieterich erzählt

Ist Afrika zu retten? Es gibt Hoffnung

Eine Richtungsentscheidung steht für Südafrika im Dezember an, wenn die Regierungspartei ANC ihren Präsidenten wählt. Der langjährige Afrika-Korrespondent der Frankfurter Rundschau Johannes Dieterich beschrieb auf dem Clubabend des FPC die Alternativen mit den Worten Rechtsstaat oder Kleptokratie und Nepotismus. Für eine Festigung der Institutionen und den Rechtsstaat steht seiner Meinung nach der Kandidat Cyril Ramaphosa, der jetzt Vizepräsident des ANC ist. Ein Sieg der Gegenkandidatin Nkosazana Dlamini-Zuma, einer früheren Frau Zumas, würde hingegen eine weiter Ausdehnung von Korruption und Gesetzlosigkeit bedeuten, meinte Dieterich. Allerdings handelt es sich im Dezember nur um eine Vorentscheidung, die jedoch für die Zukunft des ANC von großer Bedeutung ist. Die allgemeinen Wahlen finden erst im Jahr 2019 statt und bis dahin ist Zuma noch Präsident. Dieterich schilderte in dem überfüllten Raum sehr anschaulich im Gespräch mit seinem Rundschau-Kollegen Andreas Schwarzkopf, wie der Traum von einem neuen Modell des politischen Wandels immer mehr in Gegensatz zur Realität geriet. Zwar habe Südafrika eine sehr gute und liberale Verfassung und zu Beginn seiner Amtszeit habe Zuma vereinzelte gute Reformen auf den Weg gebracht, aber eine längerfristige Agenda für das Land habe er nicht gehabt. Stattdessen sei sein Bestreben immer größer geworden, selbst reich zu werden, was zu zahlreichen Enthüllungen und Skandalen geführt habe.

Auf die Frage, ob Afrika zu retten sei, erwiderte der Korrespondent, es gäbe Hoffnung, dass der Kontinent sich selber rette. Nach dem Abzug der Kolonialländer hätten in vielen Ländern afrikanische Führer deren Strukturen übernommen, um sich selbst zu bereichern. Weit verbreitete Korruption und Kleptokratien seien das Ergebnis gewesen. Nun entwickelten sich aber in etlichen Staaten Initiativen für eine rechtsstaatliche Zivilgesellschaft. Sofern diese Bewegungen Erfolg hätten, könnte dies auch zu einer Basis für eine stabilere Wirtschaft führen. Nach Darstellung von Dieterich sind derzeit Investitionen in eine bessere Infrastruktur - auch mit ausländischem Kapital - für die weitere Entwicklung von großer Bedeutung. Aber grundlegend seien Veränderungen in der Politik hin zur Rechtstaatlichkeit und das könnte nur die Bevölkerung der jeweiligen Länder erreichen. Dieterich hat an diesem Abend sehr anschauliche Einblicke in seine politischen Analysen auf dem schwarzen Kontinent und seine persönlichen Sichtweisen auf den Alltag dort gegeben.

Text: mü.

Fotos: Rainer Rüffer